Wuppertal Fahrradstadt 2025 – Gemeinsam und mutig zur Umsetzung

Unter der Überschrift "Wuppertal: Fahrradstadt 2025: Wann geht es endlich los" diskutierte das Publikum der voll besetzten Pauluskirche mit dem Podium.

Reinhold Weber - ADFC Wuppertal / Solingen

Die Stadt Wuppertal hat das Ziel, bis zum Jahre 2025 Fahrradstadt zu werden“ – so lautet ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2013. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion vor vollbesetzen Reihen in der Pauluskirche hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Wuppertal/Solingen am Dienstag 19.9. die Frage gestellt „Wann geht es endlich los?“ Nur 2 Jahre vor 2025 und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das 2018 verabschiedete städtische Radverkehrskonzept bisher nur in wenigen Bereichen umgesetzt wurde, sicher eine berechtigte Frage.

Lorenz Hoffmann-Gaubig, Vorsitzender des ADFC Wuppertal/Solingen betonte zur Eröffnung die Unzufriedenheit des ADFC den Fortschritten. Er definierte eine Fahrradstadt als „Eine Stadt, in der man gerne Fahrrad fährt und in der die notwendige Infrastruktur dafür vorhanden ist.“ Dies liege in Wuppertal aber noch in weiter Ferne.

Prof. Dr. Gerlach - Uni Wuppertal

In seinem Impulsvortrag erläuterte Prof. Jürgen Gerlach, der Anteil des Radverkehrs am gesamten innerstädtischen Verkehr in Wuppertal liege nur im mittleren einstelligen Bereich– verglichen mit anderen Städten in NRW sei das einer der hintersten Plätze. Eine Veränderung der Innenstädte sei nicht nur für die Ausweitung des Radverkehrs notwendig: die Reduzierung von Unfällen, Schaffung von Aufenthaltsqualität und die Ertüchtigung für heiße Sommer und Starkregenereignisse sorgen laut Prof. Gerlach für ebenso großen Handlungsbedarf. Mit positiven Beispielen aus anderen Städten wie Bottrop, Dortmund, Münster oder Wien untermauerte Prof. Gerlach seine Forderungen: „Es muss pragmatische Lösungen geben: kurzfristig realisierbare kleinere Maßnahmen wie Begrünung, Poller und Fahrradbügel an Kreuzungen und Knotenpunkten, die helfen, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität zu verbessern. “

Reinhold Weber - ADFC Wuppertal / Solingen

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert durch Michaela Heiser, ergänzt Kirsten Haberer von der IG Fahrradstadt, welche Rolle Bürgerengagement spielen kann: „Mit Fienchen haben wir ein kostenloses Verleihsystem für Lastenfahrräder in Wuppertal etabliert, das durch Spenden finanziert wurde“. Darüber hinaus organisiert sie die regelmäßigen „Kidical Mass“ Fahrraddemos in Wuppertal für kinder- und fahrradfreundliche Orte, sichere Schulwege und selbstständige Mobilität.

Sedat Ugurmann, der Vorsitzende des Verkehrsausschuss der Stadt Wuppertal betonte, dass Flächen bei der Planung gerecht zwischen Auto-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr aufgeteilt werden müssten. Er traf mit dieser Einschätzung allerdings auf Unverständnis der anderen Diskussionsteilnehmer. Diese argumentierten, dass die gegebene Flächenverteilung aktuell einseitig den Autoverkehr bevorzuge. Im Verlauf der Diskussion bestritt er, dass es Politik und Verwaltung an Mut fehle, notwendige Veränderungen für die Radinfrastruktur durchzuführen; alle Fraktionen stünden hinter dem Ratsbeschluss. Ugurmann begründete die mangelnde Geschwindigkeit beim Ausbau der Radinfrastruktur mit den leeren Kassen der Stadt.

Dr. Jürgen Rüdiger, Geschäftsführer der „Connected Mobility GmbH“, einer Tochter der Stadt Düsseldorf mit „Startup-Charakter“ erläuterte, dass Budget durchaus verfügbar ist. Er sorgte dafür, dass ein Raunen durch die Pauluskirche ging: „Wir fokussieren in Düsseldorf 3 unserer Mitarbeiter darauf, Fördermittel für den Bau von Fahrradgaragen, Mobilitätsstationen, Lastenradautomaten und Carsharing-Stationen einzuwerben – bisher waren das 30 Millionen Euro.“ Lorenz Hoffmann-Gaubig vom ADFC ergänzte, dass bisher in Wuppertal fast keine Fördermittel für die Förderung der Fahrradinfrastruktur aus den Töpfen von Bund und Land eingeworben wurden. So sei für den Umbau des Unterdörnen ein Großteil des für Radverkehr zur Verfügung stehenden Budgets aufgebraucht worden. Dabei wäre dieses Projekt sicher in hohem Maße förderfähig geworden. Das verbrauchte Geld fehle dann aber, um mehr Projekte schneller umzusetzen.

„Die Eröffnung jeder unserer Mobilitätsstationen, geplant sind 100 Stück verteilt über das ganze Düsseldorfer Stadtgebiet, feiern wir immer mit einem Fest mit lokalen Musikern, Vereinen und Stadtteilinitiativen – dadurch überzeugen wir die Anwohner, dass Plätze ohne Autos eine hohe Aufenthaltsqualität haben können“, fügt Dr. Rüdiger noch hinzu.

Zahlreiche Wortmeldungen zum Ende der Veranstaltung zeigten das große Interesse der Veranstaltungsbesucher, die zu einem großen Teil mit dem Fahrrad angereist waren. Es gab viel Beifall für Beiträge, die mehr Mut in Politik und Verwaltung forderten und dabei auf die positiven Beispiele aus anderen Städten verwiesen. Geld für Maßnahmen scheint verfügbar, Wuppertal muss es nur abrufen. Grundsätzlich sei es aber notwendig, so der ADFC, dass man Flächen tatsächlich neu aufteilt und nicht die umweltfreundlichen Verkehrsträger gegeneinander ausspielt, sondern den Raum für motorisierten rollenden und ruhenden Verkehr einschränkt. Nur so lasse sich ein Gewinn an Lebensqualität, das Einhalten von Klimazielen und eine sichere Mobilität voranbringen.


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Infos satt im Vorbeifahren

Infokästen hängen wieder

https://w-sg.adfc.de/artikel/wuppertal-fahrradstadt-2025-gemeinsam-und-mutig-zur-umsetzung-1

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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  • Stadtradeln 2024 in Solingen und Wuppertal?

    Das Stadtradeln in Wuppertal und Solingen startet jeweils am 18. Mai. Der dreiwöchige Aktionszeitraum endet am 7. Juni. Für Wuppertal gibt es hier mehr Informationen.  für Solingen  gibt es hier weiterführende Informationen.

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Was ist eine Fahrradstraße?

    Auf einer Fahrradstraße dürfen zunächst nur Fahrradfahrer fahren. KfZs oder Mopeds muss erst durch ein Zusatzschild die Durchfahrt erlaubt werden. Dabei sind die KfZ und andere nur Gast auf der Fahrradstraße. Fahrradfahrer dürfen hier nebeneinander fahren. Die maximale Geschwindigkeit ist auf 30 km/h begrenzt und die Fahrradstraße darf nicht in 30er Zonen eigerichtet werden. Voraussetzung zum Einrichten einer Fahrradstraße ist, dass der Radfahrer bereits heute den überwiegenden Teil der Nutzer ausmachen oder es zu erwarten ist, dass dies eintritt. Dabei ist nicht klar, über welchen zeitlichen Horizont gesprochen wird und nach welcher Methodik eine entsprechende Verkehrsprognose abzugeben ist. Die Hürde ist damit nur auf dem Papier hoch. Anbei auch ein Erklärvideo..

  • Wie breit müssen Radverkehrsanlagen sein?

    Unter Radverkehrsanlagen versteht man Radschutzstreifen und Radwege. Radschutzstreifen müssen mindestens 1,25m breit sein und haben eine Regelbreite von 1,50m. Radwege haben dagegen mindestens 1,60m breit zu sein und haben eine Regelbreite von 2m. Über dieser Breiten kann natürlich hinausgegangen werden. Führt eine solche Radvekehrsanlage an parkenden Autos vorbei, so ist noch ein Puffer einzuplanen. Radwege werden nachrangig angelegt, d.h. zunächst muss die Straße eine Breite von wenigsten 4,5m Breite aufweisen. In diesem Fall ist keine Mittelinie mehr vorgesehen. Eine Kombination aus Mindestbreiten ist im Übrigen nicht erlaubt, d.h. eine Straße muss mind. etwas über 7m Breite aufweisen um eine Straße plus Radschutzstreifen auf beiden Fahrbahnseiten anzubringen. Bei engeren Straßen kann, wenn ein Gehweg vorhanden ist, dieser alternativ für Radfahrer freigegeben werden oder es entsteht ein gemeinsamer Geh- und Radweg.

    Übrigens ein Zweirichtungsradweg muss wenisgtens 2,50 breit sein, und regehaft 3m. Hierbei entscheidet die Steigung auch darüber, ob 2,50m Breite ausreichend sind. 

    Gerade Hauptverkehrsstraßen weisen pro Fahrspur rund 3,25 m Breite in der Regel auf, da die maximale Breite von LKW und Bussen alleine schon 2,50m betragen darf. Häufig wird über mangelnden Platz geklagt, das ist aber in den seltensten Fällen der wahre Grund, denn meist existieren rund 2 bis 2,50 m breite Parkmöglichkeiten auf einer oder beiden Straßenseiten. Die Regelungen zu den Radverkehrsanlagen sind in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (kurz: ERA 2010) festgehalten. Die letzte Auflage ist 2010 erschienen.

    In 30er Zonen dürfen Radverkehrsanlagen bis dato gar nicht angelegt werden. Hier kommen andere Elemente meist zum Tragen, wie modal filter, Freigabe von Einbahnstraße usw. 

  • Wie viele Mitglieder hat der ADFC vor Ort?

    Ende Mai 2021 zählte der Kreisverband 1.255 Mitglieder, wovon 308 in Solingen wohnen.

  • Wo kann ich Lastenräder ausleihen?

    In Solingen kann der Dürpelflitzer beim Zweiäder Biernath in Ohligs kostenlos (Spender wird erbeten), in SG Mitte kann das Leiwermang des VCD bei Legewie ausgeliehen werden und die Firma sigo.green biette in Aufderhöhe rund um die Uhr an, ein Lastenrad auszuleihen. Alle Lastenräder sind mit E-Motoren ausgestatttet. Bei Sigo.green muss man sich vor der ersten Fahrt registrieren. 

  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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